MünchnerLehrerZeitung 1/2002

In dem Referat „Legasthenie und andere Lesestörungen. Ein neues Diagnose- und Therapieprogramm“,das bei der Deutschtagung der Abteilung Berufswissenschaft des BLLV am 08.12.01 vorgetragen wurde, erklärte der in München tätige Referent PD Dr. Dr. Reinhard Werth, wo und wie aus medizinischer Sicht Lesemängel festzustellen sind, und welche Therapien als Gegenmaßnahmen angewandt werden können. Voraussetzungen des Lesens sind zunächst das Erkennen bzw. Kennen von Buchstaben, Segmenten und/oder Wörtern. Das flüssige Lesen besteht aus einer Abfolge von Fixationsphasen und Blicksprüngen während derer visuelle Leistungen ununterbrochen an- und abgeschaltet werden. Um ein Wort zu lesen, muss mit dem Wortsegment/Wort eine Lautfolge verbunden werden. Wir müssen dazu in der Lage sein, zu Buchstaben und Buchstabenverbindungen gehörende Laute und Lautfolgen im Gedächtnis zu speichern und im Augenblick des Lesens, das im Gedächtnis Gespeicherte rasch und ohne Fehler abzurufen. Zusätzlich muss auch die Bedeutung von Wörtern und Sätzen aus dem Gedächtnis abgerufen bzw. erkannt werden.

1. Fixieren Ein Schüler (im übrigen auch wir Erwachsene) liest somit stufenweise. Diese Stufenfolge ist dreigliedrig. Werth meinte, dass Lesedefizite während jeder Stufe erfolgen können. Eine Aufmerksamkeitseinengung bei der Suche des Fixationspunktes resultiere bei manchen Kindern z. B. mit zunehmender Entfernung vom Fixationspunkt.

2. Segment/Wort erkennen Viele Betroffene könnten zwar einzelne, allein stehende Buchstaben lesen, erkennen aber dieselben Buchstaben nicht mehr, falls sie maskiert werden. Dies ist beim Lesen eines Wortsegments oder eines Wortes aber immer der Fall.

3. Blicksprung Aus Messungen bei der dritten Stufe, der des „Blicksprungs“, ergibt sich im Normalfall eine rhythmische Sprungkurve. Diese sieht bei Kindern mit Defiziten mitunter ganz anders aus. Bei diesen Kindern springt das Auge unkoordiniert von links nach rechts, und der Blick rückt nicht normal nach rechts weiter. Sämtliche Lesedefizite stünden übrigens in engem Zusammenhang mit Hyperaktivität und ADS (Aufmerksamkeitsdefizit – Syndrom) bemerkte Werth. Anhand eines Tests am PC können Eltern, Lehrer oder Therapeuten die Mängel relativ leicht lokalisieren. Das Lesen müsse dann an der bestimmten Stelle der Stufenfolge gezielt aufgebaut werden, so beschreibt Werth den Kern seines Therapieprogramms. Aber Vorsicht bei falscher Diagnose oder übersehenen Lesefehlern! Auch Lesefehler werden systematisch antrainiert!

Die Software gibt es im Internet unter www.celeco.com info@.celeco.com. Hier finden sie auch weitere Informationen zum Thema.

Heinz Preß