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Rasche und effektive Reduktion von Lesefehlern durch eine ursachengerichtete kompensatorische Therapie

Prof. Dr. Dr. R. Werth

Ergebnisse von vier Therapiestudien

Lesen ist eine komplexe Tätigkeit, an der mehrere Hirnleistungen beteiligt sind. Die Einschränkung jeder dieser Leistungen kann zu Lesestörungen führen, die nach Kriterien des ICD und der S3 Leitlinien als Lesestörung diagnostiziert werden.
In vier unabhängigen Untersuchungen an 326 Kindern mit Lesestörungen konnten wir zeigen, dass bei Kindern ohne okulär oder cerebral bedingte Sehstörungen und ohne Hörstörungen, Lesestörungen auftreten.

  1. Wenn die individuell benötigte Fixationszeit nicht eingehalten wird.
  2. Leser mehr Buchstaben eines Wortes simultan zu erkennen versuchen, als es ihrer individuellen Fähigkeit zum Simultanerkennen entspricht.
  3. Leser versuchen, mehr Buchstaben eines Wortes simultan zu erkennen, als innerhalb des
    visuellen Aufmerksamkeitsfeldes liegen.
  4. Beim Lesen eines Textes Blicksprünge ausgeführt werden, die größer sind als die Anzahl simultan
    erkannter Buchstaben.
  5. Wenn Leser ein vom visuellen System korrekt analysiertes Wort oder Wortsegment aussprechen, bevor die Lautfolge vollständig aus dem Gedächtnis abgerufen wurde.

Eine auf diesen Ergebnissen aufbauende kompensatorische Lesetherapie ergab in 4 Studien, bereits
nach nicht mehr als 30 Minuten Training, eine Reduktion der Lesefehler beim Textlesen um fast zwei
Drittel. Der Therapieeffekt lag in diesen Studien zwischen Hedges g = 1,699 (95%, KI: 1,226–2,203) und
Hedges g = 2,021 (95%, KI: 1,561–2,528), während in Kontrollstudien kein Effekt nachweisbar war. Dadurch waren alle Einflüsse auf den Therapieeffekt kontrollierbar, der Therapieeffekt war mehrfach wiederholbar und das Therapieverfahren erwies sich als deutlich effektiver als bisherige Therapieverfahren.
Das Ziel einer effektiven Reduktion von Lesefehlern in möglichst kurzer Zeit konnte eindrucksvoll nachgewiesen werden.

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