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Die Wurzeln der Legasthenie - Reinhard Werth Gehirn&Geist, Juli/August 2008
Eine neue Methode analysiert bei Kindern mit einer Leseschwäche zuerst die biologische Ursache und entwirft dann ein individuell zugeschnittenes Behandlungsprogramm per Computer. Mit Erfolg: Eine Viertelstunde Training reduziert die Lesefehler bereits um fast zwei Drittel.
Kevins Mutter war überglücklich: "Jetzt wandere ich schon seit drei Jahren mit dem Jungen von einer Therapie zur nächsten, und nichts hat geholfen. Bei Ihnen liest er schon nach einer Stunde. Wie kann das sein?" Ganz einfach - im Unterschied zu den meisten Legastheniebehandlungen deckt der neue Ansatz die psychobiologischen Ursachen der Lesestörung auf, anstatt die Kinder pauschal einer Standardbehandlung zu unterziehen ...
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(Erschienen im Spektrum der Wissenschaft Verlag) |  |  |  |  | Therapie von Lesestörungen durch Erkennen und Beheben
der Ursachen - Reinhard Werth (Ergotherapie &
Rehabilitation, Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V., 09/2006
Damit ein Text flüssig und richtig gelesen werden kann, bedarf
es der Kooperation mehrerer Strukturen des Großhirns und des
Hirnstamms. Diese Strukturen müssen unterschiedliche
Hirnleistungen bereitstellen und diese aufeinander abstimmen. Ist eine
oder sind mehrere dieser Hirnleistungen vermindert oder gar
ausgefallen, oder versagt die Abstimmung für das Lesen
notwendiger Hirnleistungen, so können Lesestörungen
entstehen, die unter dem Begriff der „Legasthenie“
oder „Dyslexie“ zusammengefasst werden. Schon eine
psychobiologische Betrachtung der zum Lesen notwendigen Hirnleistungen
lässt erkennen, dass es sich bei dem, was als
„Legasthenie“ oder „Dyslexie“
bezeichnet wird, nicht um eine einzige Störung handeln kann,
sondern dass es sich um eine Klasse unterschiedlicher
Störungen handeln muss, die in unzulässiger
Vereinfachung unter den genannten Begriffen zusammengefasst werden. Wir
konnten bisher 14 verschiedene Ursachen für
Lesestörungen identiizieren (Werth 2003). Im Folgenden sollen
einige grundlegende zum Lesen notwendige Hirnleistungen, ihre
Störungsformen, neue diagnostische Verfahren und auf die
Ursachen der Störungen gerichtete therapeutische
Möglichkeiten beschrieben werden.
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(Erschienen im Schulz-Kirchner
Verlag)
|  |  |  |  | Sofort Fehlerfrei Lesen - (Psychologie Heute)
Ein Computerprogramm verhilft Legasthenikern zu schnellen Erfolgserlebnissen
Genau in der spannendsten Szene geht der Fernseher kaputt. Das Bild ist schwarz, nichts geht mehr. Der Fernsehmechaniker kommt, zerlegt das gute Stück und überlegt, woran es liegen könnte. Er prüft die Sicherungen, misst Leitungen durch und ersetzt das kaputte Modul. Der Fernseher funktioniert wieder.
Mit der Behandlung der „Lese-Rechtschreib-Schwäche" - ehemals als Legasthenie bezeichnet - könne man ähnlich verfahren und genauso effektiv sein, sagt Reinhard Werth vom Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Universität München. Sobald die richtige Ursache gefunden ist, man sozusagen das defekte Modul entdeckt hat, können Kinder sofort fehlerfrei lesen. So verspricht es der Neuropsychologe. Er hat ein Computerprogramm entwickelt, das er zur Therapie und Diagnose einsetzt und das es auch zu kaufen gibt. Bislang wird Legasthenie mit speziell entwickelten standardisierten Testverfahren diagnostiziert und durch logopädische Übungen kompensiert. Das heißt, es gibt jede Menge Nachhilfestunden, in denen das Kind pauken muss, nach welchen Regeln man korrekt schreibt und spricht. Das Problem dabei: Alle Legastheniker bekommen die gleiche Behandlung. Individuelle Unterschiede werden nicht berücksichtigt. An dieser Stelle setzt Reinhard Werth an. Für den Münchner Medizinpsychologen gibt es nicht den Legastheniker. Lesen ist für ihn das Ergebnis zahlreicher Hirnleistungen. Die verschiedenen für das Lesen zuständigen Regionen sind über weite Bereiche des Gehirns gestreut. Lesen kann man dann, wenn es dem Gehirn gelingt, diese verschiedenen Areale zu einem geordneten Zusammenwirken zu bewegen. Sind jedoch eine oder mehrere dieser Hirnleistungen oder deren Koordination gestört, kann es zu Leseproblemen kommen. Um die Bereiche ausfindig zu machen, in denen Koordinations- oder Aufnahmeschwierigkeiten bestehen, geht Werth im Prinzip nicht anders vor als der Fernsehmechaniker. Er sucht nach dem defekten Modul. Dazu benutzt er ein selbst entwickeltes Computerprogramm namens celeco. Dieses beinhaltet Übungen, mit denen systematisch Störquellen ausfindig gemacht werde. 14 große Untergruppen von Lesestörungen hat Werth identifizieren können, wie zum Beispiel den „zu früh aussprechenden Legastheniker". Normalerweise lassen wir beim Lesen unseren Blick nicht von einem Buchstaben zum anderen fließen, sondern fixieren ein ganzes Wort beziehungsweise Wortsegment. Die zu der gesehenen Buchstabenfolge gehörende Lautfolge und ihre Bedeutung werden im Gehirn abgerufen, und dann vollziehen wir einen Blicksprung. Die Abrufzeit beträgt bei Kindern im Alter von sieben Jahren höchstens 300 Millisekunden. Ein „zu früh aussprechendes" legasthenisches Kind braucht dazu mehrere Sekunden. Wenn es versucht, schneller zu lesen, kann das Gehirn nicht lange genug nach dem richtigen Wort in seinem Speicher suchen. So rät das Kind - und bekommt im Fach Lesen eine sechs. Um zu überprüfen, ob ein Kind ein „zu früh aussprechender Legastheniker" ist, gibt Werth dem Kind auf dem Monitor einzelne Wörter zu lesen. Zuerst wird das Wort für 200 Millisekunden gezeigt. Liest das Kind das Gezeigte falsch, gibt Werth dem Wort ein Signal hinzu, das erst nach mehreren Sekunden ertönt. Erst wenn es das Signal hört, darf das Kind das Wort laut aussprechen. In vielen Fällen kann es mit dieser Geschwindigkeit zum ersten Mal in seinem Leben fehlerfrei lesen. Dann reduziert Werth die Wartezeit bis zu dem Signal, bei dem das Kind beginnt, Fehler zu machen. So erhält er eine Richtgröße, die bei einem „zu früh aussprechenden Legastheniker" bei drei oder mehr Sekunden liegen kann. Das bedeutet, dieses Kind kann fehlerfrei lesen, wenn es sich für jedes Wort oder Segment mindestens drei Sekunden Zeit nimmt. Somit hat Werth das defekte Modul schnell gefunden und kann es gegen ein funktionierendes, nämlich eine längere Abrufzeit eintauschen.
Das neue Leseverhalten muss das Kind jetzt üben. Es soll zuerst seine individuelle Abrufzeit verinnerlichen und diese danach sukzessive verringern. Dazu bekommt es die Übung mit seiner individuellen Abrufzeit auf einer Diskette mit nach Hause. In regelmäßigen Abständen finden weitere Sitzungen mit dem Therapeuten statt, in denen die Abrufzeit nach und nach herunterreguliert wird. Werth hat bei zahlreichen von ihm behandelten Legasthenikern die Erfahrung gemacht, dass bei täglichem Üben von etwa 15 Minuten das Kind in drei Monaten flüssig und fehlerfrei auch ohne Computerprogramm lesen kann. „Es wird zwar ein langsamer Leser, aber es wird fehlerfrei lesen und verstehen lernen", erklärt Werth.
Eine andere Untergruppe sind „buchstabierende Legastheniker". Viele als legasthenisch bezeichnete Kinder haben erhebliche Schwierigkeiten damit, den Schritt vom Buchstabenlesen zum Wörterlesen zu vollziehen. Das heißt, das Kind kann einzelne Buchstaben richtig lesen, doch in dem Moment, in dem die einzelnen Buchstaben zu einem vollständigen Wort zusammengefügt werden, wird dieses nicht erkannt. Auch für diese Schwäche bietet das celeco - Programm Trainingsstrategien an, ebenso wie für „Zu-großer-Blicksprung-Legastheniker". Diese Kinder erfassen nur vier Buchstaben auf einmal, springen aber mit dem Blick sechs oder acht Buchstaben weiter. Die übersprungenen Buchstaben raten sie, mal falsch, mal richtig.
Laut einer Studie hat Werths Verfahren eine Erfolgsquote von 100 Prozent. Im Moment stellt Reinhard Werth ein Computerprogramm zur Behandlung der Schreibschwäche fertig, das im Frühjahr 2004 auf den Markt kommt.
Beatrice Wagner |  |  |  |  | Bei Lernproblemen hilft das Computerprogramm - (Buersche Zeitung, 11 März 2005 . Nummer 59)
Schulberatungsstelle: Leseschwächen der Mädchen und Jungen beheben
„Die Jungen und Mädchen lesen entweder stockend und fehlerhaft oder sie lesen flüssig, ohne etwas zu verstehen“, sagt Dr. Jörg-Michael Thurm von der schulpsychologischen Beratungsstelle an der Straße Auf dem Bettau. „Etwa zehn Prozent der Schulkinder bleiben hinter dem Klassendurchschnitt zurück.“
Oft lautet die Diagnose:
Legasthenie. Doch es gibt Möglichkeiten, diese so genannte Leseschwäche zu beheben.
Eines dieser Hilfsmittel ist die von einem Neuropsychologen gemeinsam mit der Münchener Firma celeco entwickelte Software. Damit gelinge es nicht nur die Ursache der Leseschwäche zu ergründen, sondern auch, sie gezielt zu behandeln. Dr. Thurm: „Die Schulberatungsstelle kann die neuen Lernprogramme individuell auf das Kind. abstimmen. Die -zusammengestellte Software gibt es für die von uns betreuten Kinder kostenlos.“ Nach einer 20-mintiti- gen Sitzung, in der der Psychologe feststellt, welches Defizit vorliegt, bekommt das Mädchen, der Junge seine Hausaufgaben. In aller Regel sind die Dritt- und Viertklässler angesprochen.
„Doch mit dem Programm helfen wir auch Schulkindern bis zu den fünften und sechsten Klassen:“ Was also früher mit Bleistift und Papier ergründet wurde, lässt sich heute am Bildschirm erkennen. Dabei geht es um Lese- und Blicksprünge, um Augenbewegungen und Buchstabenerkennung. Denn manche Kinder sehen beim Lesen nicht richtig auf den Text. Dr. Thurm: „Dadurch verfehlt der Blick entweder das Wort oder es wird nur so kurz betrachtet, dass das Kind den Sinn nicht erfasst.“ Dort hilft die Software. Die Schüler lernen, jedes Wortsegment lang genug zu betrachten, in Zeiträumen von 100 bis 500 Millisekunden am Monitor - je nach Aufnahmefähigkeit des Kindes. „Benötigt es zu lange, um Wörter zu erfassen, ist die Fähigkeit durch Training zu therapieren, in dem die Zeitintervalle allmählich verkürzt wer den. Die Beratungsstelle arbeitet schon einige Zeit mit der neuen Software - „mit recht gutem Erfolg“, wie Dr. Thurm feststellte.
Rainer Wagner
|  |  |  |  | Schulberatungsstelle hat neues Programm - (LERNEN MIT DEM COMPUTER Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Lokalausgabe Gelsenkirchen)
Das Computerprogramm „Richtig Lesen Lernen“ vom verlag celeco bietet die Schulberatungsstelle seit Beginn desJahres an. Ziel ist es, die Legasthenie von Kindern der dritten bis fünften Klasse zu therapieren.
Zu Anfang gilt es, die Lesefertigkeiten des Schülers zu diagnostizieren. Für 250 Millisekunden blinken auf dem Monitor mehrere Buchstaben auf, die der Schützling simultan erfassen soll. „Um flüssig lesen zu können, muss ein Kind mindestens vier Buchstaben gleichzeitig erkennen ,“ so Jörg Michael Thurm, Psychologe der Schulberatungsstelle. Ist dies nicht der Fall, heißt es: Üben, Üben, Üben.
Für 15 Minuten täglich sollten die Schüler dann die computergestützten Übungen mit den aufflackernden Buchstaben pauken. Ab der vierten Woche stellt sich dann bereits der Lernerfolg ein“, ist sich Thurm sicher. Entwickelt wurde die Software vom Münchner Medizinpsychologen Reinhard Werth. Diagnose, Beratung und Therapie ist kostenlos.
|  |  |  |  | Wenn das Auge schludert - (GEO 9/2002)
Dank einer neuen, individuell einsetzbaren Software sollen Legastheniker leichter lesen lernen.
Sie lesen entweder stockend und fehlerhaft oder aber flüssig, ohne zu verstehen, was sie lesen: Etwa 10 Prozent der Grundschüler im deutschen Sprachraum bleiben in ihrer Lesefähigkeit deutlich hinter dem Klassendurchschnitt zurück. Nicht selten lautet die Diagnose: Legasthenie.
Eine solche Leseschwäche ist jedoch nicht unabänderlich, meint der Neuropsychologe Reinhard Werth vom Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin an der Universität München. Er therapiert seine kleinen Patienten seit neuestem mit einer Software, die er gemeinsam mit der Münchner Firma celeco entwickelt hat. Damit sei nicht nur die Ursache der Leseschwäche herauszufinden, sondern diese auch gezielt zu behandeln.
Lange galt Legasthenie als eine Störung des zuständigen Hirnareals. Für Werth aber ist "der Lesevorgang ein komplexes Netzwerk, das vieler Einzelleistungen bedarf - von der Bilderfassung auf der Netzhaut des Auges bis zu seiner Verarbeitung im Gehirn". Und da könne unterwegs einiges schief gehen.
Schließlich sind die menschlichen Sehfunktionen nicht gerade ideal für das Lesen. Denn nur an einem einzigen Punkt auf der Netzhaut - an der etwa 1,5 Millimeter großen Fovea - wird die optimale Sehschärfe erreicht. Die Augen müssen das zu lesende Wort in dessen mittleren Bereich also genau fixieren. Wenn aber das Bild des Wortes auf der Netzhaut durch Fehlsteuerung der Augen nur um wenige Millimeter verschoben wird, kann es nicht mehr korrekt gelesen werden. Und genau das könnte Werth zufolge eine Ursache der Legasthenie sein.
Manche Kinder schauen, wie Werth beobachtet hat, beim Lesen aber auch einfach nicht richtig hin. Dadurch verfehlt ihr Blick entweder das Wort oder es wird nur so kurz betrachtet, dass sein Sinn nicht erfasst werden kann.
Hier vermag Werths Software zu helfen: Sie trainiert die Schüler, jedes Wortsegment lange genug zu fixieren. Buchstaben oder Wortsegmente werden in Zeiträumen von 100 bis 500 Millisekunden am Monitor gezeigt - je nach Aufnahmefähigkeit des Kindes. Benötigt es zu lange, um Wörter zu erfassen, so ist diese Fähigkeit durch Training, in dem die Zeitintervalle allmählich verkürzt werden, zu therapieren.
Andere machen während des Lesens zu große Blicksprünge: Dabei überfliegen die Augen mehrere Buchstaben des Wortes. Aus Donnerstag wird beispielsweise Donntag. Für diesen Fall präsentiert die Software einen Text, bei dem das jeweils zu lesende Wortsegment farbig unterlegt ist. Die Markierung springt von einem Wortsegment zum anderen und bestimmt so die Größe der Blicksprünge. Damit der Leser beim Lesen eines Wortes nicht durch den Rest des Textes abgelenkt wird, ist dieser nur schwach zu sehen.
Manche Patienten wiederum buchstabieren jedes Wort. Dann hilft das Programm ihnen zu lernen, die einzelnen Schriftzeichen zu einem Segment zusammenzufassen. Dazu erscheinen Wörter oder Wortsegmente für weniger als 250 Millisekunden auf dem Monitor - ein Siebenjähriger kann in dieser Zeit ein Wort problemlos erkennen. Die kurze Darbietungszeit verhindert, dass die Kinder Buchstaben für Buchstaben betrachten und zwingt sie so, ganze Worte zu erfassen.
Laut Reinhard Werth ist das Programm individuell einsetzbar - und „bei entsprechender Motivation und etwa zehnminütiger, konzentrierter Übung pro Tag kann die Lesefähigkeit bereits nach weniger als drei Monaten entscheidend verbessert werden“
|  |  |  |  | Leserbrief in GEO 12/2002
Über eine neue Software, um Legasthenikern zu helfen, berichtete GEOskop Nr.9/2002: "Wenn das Auge schludert". Seit 3 Monaten benutzen wir äußerst erfolgreich das in GEO vorgestellte Software-Programm „celeco“. Vier Jahre hatten wir zuvor täglich mit unserem jetzt zehneinhalbjährigen Sohn in allen Varianten das Lesen geübt. Leider ohne nennenswerte Erfolge. Seit ihm eine Lesestörung attestiert wurde, befand er sich in Legasthenietherapie. Erst eine neue, sehr qualifizierte Deutschlehrerin erkannte die genaue Ursache und empfahl uns das Programm. „celeco“ ist unserer Meinung nach ein hervorragendes Leselernprogramm, das sicherlich noch vielen Kindern - und auch Erwachsenen- helfen wird, nicht nur sicher, sondern auch schnell lesen zu lernen.
Christina Blahusch (via E-Mail) |  |  |  |  | Leseschwächen am Computer behandeln - (Deutsche Apothekerzeitung 142. Jahrgang 25.04.2002 Nr. 17)
Der Neuropsychologe Reinhard Werth vom Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der LMU München hat ein Lernprogramm gegen Legasthenie entwickelt. Am Computer können Schulkinder, die von einer Leseschwäche betroffen sind, individuell therapiert werden. Ursprünglich behandelte Werth mit der Methode der Gesichtsfeldbestimmung Kinder, die aufgrund von Hirnstörungen Probleme beim Sehen hatten.
Lesen ist ein komplexer Vorgang, bei dem verschiedene Leistungen vom Gehirn erbracht werden müssen: die Fixierung eines Wortteils, das Erkennen von Buchstaben, Worten und Wortsegmenten sowie der Blicksprung zum nächsten Wortteil. Bei all diesen Vorgängen kann es zu Fehlern einer Hirnfunktion kommen, die dann zu Leseschwächen, der so genannten Legasthenie, führen. Mit Hilfe von verschiedenen Leseübungen und viel Training gelingt es zwar in der Regel die Schwäche zu kompensieren, leicht fällt dies den betroffenen Kindern jedoch nicht. Vielleicht kann der Computer ihnen künftig beim Lesenlemen Unterstützung bieten. Das von Werth entwickelte Lernprogramm wurde so konzipiert, dass damit alle möglichen Phänomene behandelt werden können. Mit dem computergestützten Lern- und Diagnoseprogramm erforscht der Neuropsychologe zuerst den individuellen Grund für die Leseschwäche eines Kindes.
Wenn "Donnerstag" zu "Donntag" wird
Das Programm kann Buchstaben, Wortsegmente und ganze Worte so darstellen, dass die Ursache einer Lesestörung erkennbar wird. Der Cursor zeigt den Kindern an, wo oder was sie gerade lesen sollen. Eine häufige Ursache für Legasthenie sind z. B. zu große Blicksprünge über zehn Buchstaben hinweg, so Werth. Dabei macht der Leser mit den Augen einen großen Satz zum nächsten Wortsegment und kann dadurch manche Buchstaben nicht mehr sehen. "Er liest zum Beispiel statt Donnerstag nur Donntag", erklärt der Neuropsychologe. Mit dem Programm könne diese Störung abtrainiert werden, indem der zu lesende Text farbig markiert wird und die rechts folgenden Wortsegmente nur schwach zu sehen sind. Mit der Zeit wird der Kontrast rechts dann verstärkt, das Wortsegment wird immer besser lesbar. "Die Wirkung des Lernprogramms ist unterschiedlich", so Werth. In schwierigen Fällen bräuchten die Kinder ein halbes Jahr, bis sich eine positive Wirkung einstellt. Manchen genüge aber auch schon eine halbe Stunde.
|  |  |  |  | Therapieprogramm bei Lesestörungen - (MünchnerLehrerZeitung 1/2002)
In dem Referat "Legasthenie und andere Lesestörungen. Ein neues Diagnose- und Therapieprogramm", das bei der Deutschtagung der Abteilung Berufswissenschaft des BLLV am 08.12.01 vorgetragen wurde, erklärte der in München tätige Referent PD Dr. Dr. Reinhard Werth, wo und wie aus medizinischer Sicht Lesemängel festzustellen sind, und welche Therapien als Gegenmaßnahmen angewandt werden können. Voraussetzungen des Lesens sind zunächst das Erkennen bzw. Kennen von Buchstaben, Segmenten und/oder Wörtern. Das flüssige Lesen besteht aus einer Abfolge von Fixationsphasen und Blicksprüngen während derer visuelle Leistungen ununterbrochen an- und abgeschaltet werden. Um ein Wort zu lesen, muss mit dem Wortsegment/Wort eine Lautfolge verbunden werden. Wir müssen dazu in der Lage sein, zu Buchstaben und Buchstabenverbindungen gehörende Laute und Lautfolgen im Gedächtnis zu speichern und im Augenblick des Lesens, das im Gedächtnis Gespeicherte rasch und ohne Fehler abzurufen. Zusätzlich muss auch die Bedeutung von Wörtern und Sätzen aus dem Gedächtnis abgerufen bzw. erkannt werden.
1. Fixieren
Ein Schüler (im übrigen auch wir Erwachsene) liest somit stufenweise. Diese Stufenfolge ist dreigliedrig. Werth meinte, dass Lesedefizite während jeder Stufe erfolgen können. Eine Aufmerksamkeitseinengung bei der Suche des Fixationspunktes resultiere bei manchen Kindern z. B. mit zunehmender Entfernung vom Fixationspunkt.
2. Segment/Wort erkennen
Viele Betroffene könnten zwar einzelne, allein stehende Buchstaben lesen, erkennen aber dieselben Buchstaben nicht mehr, falls sie maskiert werden. Dies ist beim Lesen eines Wortsegments oder eines Wortes aber immer der Fall.
3. Blicksprung
Aus Messungen bei der dritten Stufe, der des "Blicksprungs", ergibt sich im Normalfall eine rhythmische Sprungkurve. Diese sieht bei Kindern mit Defiziten mitunter ganz anders aus. Bei diesen Kindern springt das Auge unkoordiniert von links nach rechts, und der Blick rückt nicht normal nach rechts weiter. Sämtliche Lesedefizite stünden übrigens in engem Zusammenhang mit Hyperaktivität und ADS (Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom) bemerkte Werth. Anhand eines Tests am PC können Eltern, Lehrer oder Therapeuten die Mängel relativ leicht lokalisieren. Das Lesen müsse dann an der bestimmten Stelle der Stufenfolge gezielt aufgebaut werden, so beschreibt Werth den Kern seines Therapieprogramms. Aber Vorsicht bei falscher Diagnose oder übersehenen Lesefehlern! Auch Lesefehler werden systematisch antrainiert!
Die Software gibt es im Internet unter
www.celeco.com
info@.celeco.com. Hier finden
sie auch weitere Informationen
zum Thema.
Heinz Preß
|  |  |  |  | Computer und Schreiben lernen - (BUS 40 - 2/2000)
Durch die "Unfähigkeit oder verminderte Fähigkeit, das Lesen und Schreiben auf dem für das Alter zu erwartenden Niveau zu erlernen", wird zahlreichen Schülern und Schülerinnen ein Schulabschluss vorenthalten, den sie aufgrund ihrer sonst guten und in manchen Fällen sogar weit überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten mühelos erreichen könnten. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat den Umgang mit L.egast1ienie und Teilleistungsstörungen in bayerischen Schulen neu geregelt (s. Amtsbl. Dez. 1999). Hierdurch wird die Schlüsselrolle der Lehrer in der Diagnose und im Umgang mit lese- und rechtschreibschwachen Schülern weiter ausgebaut. Der Appell zur Rücksichtnahme auf die besondere Erschwernis, der diese Kinder ausgesetzt sind, soll helfen, eine Unterbewertung der betreffenden Schüler und Schülerinnen zu vermeiden. Die Vorschrift gezielter Fördermaßnahmen will die Lese- und Rechtschreibschwäche lindern oder beheben, um einen angemessenen Schul- und Berufsweg zu ebnen.
Wie in den Richtlinien der Staatsregierung korrekt charakterisiert, handelt es sich bei dem, was unter den Begriff der Legasthenie subsummiert wird, um eine biologisch bedingte Störung mit unterschiedlichen Ausprägungen, die auf ganz verschiedenen Ursachen beruhen kann. Die Bedeutung ursachenbezogener Fördermaßnahmen lassen sich an zwei einfachen Beispielen aus der therapeutischen Praxis verdeutlichen. So beobachtet man z.B. bei einer großen Zahl von Kindern, die in ihren Leseleistungen weit hinter den Leistungen ihrer Klassenkameraden zurückbleiben, eine völlig falsche Blickstrategie mit unangemessen kurzen Fixationsphasen. Das sind Ruhephasen der Augen, innerhalb derer mehrere Buchstaben (Wortsegmente oder Wörter) gleichzeitig gelesen werden. Diese Kinder erwecken den Eindruck, dass sie einfach nicht richtig hinsehen, was im Text geschrieben steht. Endungen oder ganze Wörter werden ausgelassen, gelesene Wörter sind entstellt, oft scheinen die Kinder geradezu zu phantasieren, was im Text stehen könnte. Übt man mit diesen Kindern nur das Lesen, ohne die inadäquaten Fixationsphasen zu korrigieren, so ist keine entscheidende Besserung zu erreichen und die zu kurzen Fixationsphasen können sich weiterhin verfestigen. Wurde die Blickstrategie bei den vom Autor therapierten Kindern, die an einer derartigen Lesestörung litten, jedoch korrigiert, so kam es binnen weniger Wochen zu einer drastischen Reduktion der Fehlerraten. Das gleiche gilt für Lesestörungen, in der Wortsegmente zwar lange fixiert werden, jedoch versucht wird, innerhalb einer Fixationsphase mehr Buchstaben simultan zu erkennen, als es dem betreffenden Leser möglich ist. Hier kommt es darauf an, dem Schüler eine Lesestrategie zu vermitteln, bei der innerhalb einer Fixationsphase nur so viele Buchstaben erkannt werden sollen, wie es der Fähigkeit des Schülers entspricht. Es würde auch hier nicht zum Ziel führen, nur das Lesen zu üben, ohne die Ursache der Störung zu berücksichtigen.
Meist ist es nicht eine einzige Ursache, die die Lesestörung hat entstehen lassen. Mehrere Ursachen überlagern und beeinflussen sich. Dennoch wurden ursachenbezogene Lesetherapien bisher nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Eine ursachenbezogene Förderung war schon deshalb nicht realisierbar, weil die Untersuchung von Lesestörungen in aller Regel keine angemessene Ursachenforschung beinhaltete, denn sie ist technisch aufwendig und in der Regel universitären Forschungseinrichtungen vorbehalten. Heutige Erkenntnisse über die am Lesen beteiligten biologischen Abläufe und ihre Störungen versetzen uns in die Lage, computergestützte Verfahren zu entwickeln, die eine rasche und dennoch für die Praxis hinreichend genaue Eingrenzung der Ursachen von Lesestörungen ermöglichen. Darüber hinaus lassen sich Programme zur Therapie von Lesestörungen entwerfen, die auf die Ursachen der Lesestörung zielen. Derartige Entwicklungen sollten in enger Kooperation mit Lehrern und Lehrerinnen, in deren Hände die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Diagnostik und Therapie von Lesestörungen weitgehend liegt, stattfinden.
Am Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München haben wir aufgrund langjähriger Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von Lesestörungen computergestützte Verfahren entwickelt, die in den bekannten Lesetests nicht erfassbare Ursachen von Lesestörungen erkennbar machen und die eine ursachenbezogene Therapie erlauben. Wir haben diese Verfahren seit mehreren Jahren in der klinischen Praxis angewendet und können sie nun auch Lehrern und Lehrerinnen zur Verfügung stellen. Wir möchten Lehrer und Lehrerinnen aus Grundschulen bitten, sich an einer Erprobung computergestützter Diagnose- und Therapieverfahren zu beteiligen und ihre Erfahrungen und Ratschläge in die Weiterentwicklung einzubringen.
Interessierte melden sich bitte bei Celeco unter
info@celeco.com oder unter Tel.: 089 / 82 00 69 16, Fax: 089 / 82 90 93 07
Prof. Dr. Dr. Reinhard Werth
|  |  |  |  | Lesen ist keine Kunst, LMU-Forscher entwickelt Software für Legastheniker - (Süddeutsche Zeitung Nr. 39
Freitag, 15. Februar 2002)
Rund vier Prozent aller deutschen Schulkinder tun sich beim Lesen und Schreiben lernen, obwohl sie normal intelligent und belastbar sind, so schwer, dass sie als Legastheniker gelten. Förderung und Training haben meistens wenig Erfolg - bis jetzt. Doch nun gibt es eine neue Methode, mit der Praktiker wie etwa Bettina Kinn, die Leiterin des Forums Legasthenie im Sabel-Schulzentrum, "äußerst positive Erfahrungen" machen. Das patentierte computergestützte Diagnose- und Übungsprogramm für Lehrer, Therapeuten und Eltern basiert auf den Forschungen des Münchner Neuropsychologen Reinhard Werth vom LMU - Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin. Werth behandelt seit langem auch Kinder, die nach Unfällen oder Schlaganfällen erblindet sind. Er hat die Methoden der Gesichtsfeldbestimmung weiter entwickelt und schließlich ein Sehtrainingsgerät für ältere Kinder mit Teilerblindung bauen lassen. Das sprach sich bei den Kinderärzten herum, und bald schickten sie ihm auch kleine Patienten mit Lesestörungen zur Untersuchung auf eventuelle neurologische Ursachen. "Dabei hat sich gezeigt, dass die Diagnose Legasthenie viel zu grob ist", sagt Werth. In Wirklichkeit handele es sich um eine Vielzahl unterschiedlicher Leistungsstörungen. "Lesen" spielt sich offenbar in drei Phasen ab: auf das reine Sehen eines Wortes oder Wortteils reagiert das Gehirn mit der "Fokussierung der Aufmerksamkeit". Danach folgt das "Erkennen" - das Gedächtnis verbindet die Buchstaben mit Lauten und dann mit einer Bedeutung. Erst danach geht's weiter mit einem "Blicksprung" zum nächsten Wort (-teil). In jeder dieser Phasen, so Werth, kann es Defekte geben. Besonders häufig sind Sehstörungen durch "unpassende Augenbewegungen". Oder unbewusste Aufmerksamkeitsmängel, die dazu frühren, dass ein Kind von einem Wort nur zwei, drei Buchstaben erfasst. Oder der Blicksprung ist wegen einer Fehlsteuerung des Gehirns, "die aber keine Hirnschädigung ist", zu groß und das Kind überspringt ganze Wortteile. Manche Kinder versuchen auch unbewusst die Worte im Ganzen zu erkennen. Das klappt bei kurzen wie etwa "ich", nicht aber bei Wörtern mit fünf und mehr Buchstaben. Alle diese Störungen kann man, wenn sie nur exakt genug diagnostiziert sind "sehr gut regulieren", erklärt Werth, der darüber kürzlich auch ein Buch veröffentlicht hat ("Legasthenie und andere Lesestörungen. Wie man sie erkennt und behandelt", Becksche Reihe). Dazu reichen "schon zwischen zwei Wochen und drei Monaten mit fünf bis zehn Minuten Übung täglich". Dafür hat Werth gemeinsam mit dem Elektrotechnik-Ingenieur Tobias Barner eine spezielle Software entwickelt und mit Unterstützung des Bayerischen Wissenschaftsministeriums die Vertriebsfirma "celeco GmbH" gegründet. Das Prinzip ist schwer zu erklären, in der Anwendung durch das Kind aber sehr einfach: Je nachdem, was im einzelnen trainiert werden soll, wandert der Cursor am Bildschirm langsam oder schnell über die Wörter des Übungstextes. Manche Legastheniker-Kinder müssen üben, "überhaupt mal richtig hinzugucken", so Werth. Andere sehen zwar korrekt, doch es hapert beim Erkennen der Bedeutung. Auch dafür gibt es spezielle Programme, die an ein Ratespiel erinnern. Werth spricht von erstaunlichen Erfolgen: "Manche Kinder hatten es bei mir im Labor nach einer halben Stunde heraus." In sehr hartnäckigen Fällen könne es auch ein halbes Jahr dauern. Versager? "Die gibt es nur ganz selten". Davon versucht er nun landauf, landab, mit Vorträgen in der Lehrerakademie in Dillingen, in Schulen und bei Logopäden die Fachleute zu überzeugen. Übrigens: Anders als Schulbücher berücksichtigt das Bildschirm-Training bei der Grafik die Tatsache, dass sehr viele Buben rot-grün-blind sind, also Rot und Grün verwechseln. "Das ist wichtig, denn unter Legasthenikern sind kaum Mädchen." Warum das so ist, kann Werth, der sich als Hirnforscher auch mit Studien über die neurobiologischen Grundlagen des Bewusstseins einen Namen gemacht hat, noch nicht sagen.
Elisabeth Höfl-Hielscher |  |  |  |  | Lernprogramm hilft bei Leseschwäche
- (Eltern for Family 6/2002)
Wenn ein Kind partout nicht lesen lernt, hat das meist wenig mit Faulheit oder Dummheit zu tun. Sondern mit Ursachen, die nur schwer zu entdecken sind.
Das Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Universität München hat daher ein spezielles PC-Programm für Kinder mit Leseschwäche entwickelt. Mit einem Diagnoseprogramm wird zunächst nach der individuellen Störung gefahndet. Ist die gefunden, kann das computergestützte Therapieprogramm beispielsweise helfen, die häufig zu großen Blick- und Lesesprünge (das Wort "Salzwasser" wird beispielsweise zu "Salser") zu normalisieren. Bei manchen Kindern führen schon wenige Therapiestunden zu einem Erfolg, bei anderen muss man einige Monate Geduld haben. |  | |
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| | celeco GmbH, Postfach 600550, 81205 München,
Tel.: (0049)+89 / 82 00 69 16, Fax: (0049)+89 / 82 90 93 07, E-Mail: info@celeco.de | | |
| Datum der letzten Änderung: 01.07.2010 | Copyright 2005, 2010 celeco GmbH - - | |
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