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Unser Verfahren
Unsere Methode, „richtig lesen zu lernen", besteht darin, die für das Lesen notwendigen Teilleistungen systematisch zunächst einzeln und dann in ihrer koordinierten Abfolge zu lernen. Die Entstehung einer Lesestörung kann dadurch wirksam verhindert werden, dass eine gestörte Einzelleistung oder ein Abstimmungsfehler zwischen Einzelleistungen möglichst sofort erkannt und durch geeignete Maßnahmen vermieden wird.

Solche Maßnahmen können darin bestehen, dass
  • eine schwache Einzelleistung durch zusätzliche Übung verbessert wird,
  • durch eine andere Leistung ausgeglichen (kompensiert) wird,
  • Abstimmungsfehler dadurch vermieden werden, dass die richtige Abstimmung zwischen Leistungen eingeübt wird.
Dieses wird nachfolgend an zwei Beispielen erläutert, die sich auf die oben genannten beiden Hauptaspekte beim Erlernen des flüssigen Lesens beziehen:
  • Erkennen zunehmend längerer Wortsegmente „mit einem Blick", d.h. innerhalb einer Fixationsphase, und Erkennen dieser Wortsegmente in immer kürzerer Zeit
  • Abstimmung zwischen der Länge der Fixationsphasen, der Größe der Blicksprünge, der Größe der Wortsegmente, die eine Person innerhalb einer Fixationsphase wahrnehmen kann, die hierfür benötigte Zeit und die Zeit, die benötigt wird, um zu den wahrgenommenen Wortsegmenten gehörende Lautfolgen und Bedeutungen aus dem Gedächtnis abzurufen.
Das zunehmend schnellere Erkennen von zunehmend längeren Wortsegmenten, lässt sich systematisch üben, indem Wortsegmente einer Länge, die das Erkennen der Wortsegmente gerade noch erlaubt, gezeigt werden und die Kinder diese erkennen müssen. Mit fortschreitender Leistungsverbesserung kann die Länge der zu erkennenden Wortsegmente dann vergrößert werden, bis auch Wortsegmente dieser Länge sicher erkannt werden usw. Ebenso kann geübt werden, Wortsegmente zunehmend rascher zu erkennen, indem die Darbietungszeiten je nach Leistungsfortschritt jeweils soweit verkürzt werden, dass diese Wortsegmente eben noch zu erkennen sind. Bei diesen Übungen muss gewährleistet sein, dass das Kind seine Augen während des Betrachtens des zu lesenden Wortsegments auf den Fixationspunkt innerhalb des Wortes richtet und sie nicht von Buchstabe zu Buchstabe bewegt (d.h. Vermeidung von „buchstabierendem" Lesen). Dieses kann dadurch erreicht werden, dass das zu lesende Wortsegment so kurz gezeigt wird, dass ein Blicksprung innerhalb des Wortsegments ausgeschlossen ist. Hierfür sind Darbietungszeiten von etwa 200 Millisekunden geeignet, denn Kinder im Alter von 6 oder 7 benötigen meist länger, um einen Blicksprung von einem Ort zu einem anderen Ort einzuleiten („Sakkadenlatenz"). In der Praxis ist diese Vorgehensweise nur durch ein computergestütztes Verfahren realisierbar, wobei der PC die visuelle Darbietung steuert.

Der zweite Hauptaspekt beim Erlernen des flüssigen Lesens, nämlich die Abstimmung zwischen verschiedenen Teilprozessen, ist dadurch zu üben, dass in einem fortlaufenden Text von einem Computerprogramm durch eine geeignete optische Markierung angegeben wird, welche Wortsegmente zu lesen sind, wie groß die Wortsegmente sind, die das Kind versuchen soll, innerhalb einer Fixationsphase zu lesen, wohin der Blick innerhalb jedes Wortsegments zu richten ist, wie lange das jeweils zu lesende Wortsegment zu fixieren ist, wann ein Blicksprung zu erfolgen hat und wie groß der Blicksprung sein soll. Mit dem Prototypen eines solchen Computerprogramms wurde bereits in einer klinischen Studie gearbeitet (Werth 2001), und es konnte bei leseschwachen Kindern gezeigt werden, dass sich sogar manifeste Abstimmungsfehler beim Lesen so beeinflussen lassen, dass die Zahl der Lesefehler unmittelbar um 72 % abnimmt.

Eine vollständige Darstellung des Verfahrens finden Sie in:

Reinhard Werth: Legasthenie und andere Lesestörungen - wie man sie erkennt und behandelt, Verlag C.H. Beck, München, 3. aktualisierte Auflage 2007.
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