Die celeco-Methode

Bisherige Verfahren zur Therapie der Legasthenie, bei denen Lesen geübt wird oder versucht wird, verminderte Teilleistungen zu verbessern, haben sich als langwierig erwiesen und hatten meist nur begrenzten Erfolg. In dem von Prof. Dr. Dr. Werth an der Universität München entwickelten und patentierten Verfahren werden zunächst die Ursachen der verminderten Leseleistung bei jedem Kind ermittelt, und es wird untersucht, auf welche Weise diese Ursachen durch eine veränderte Lesestrategie ihre Behinderung der Lesefähigkeit verlieren. Dazu wird eine veränderte, dem/der jeweiligen Leser/in angepasste neue Lesestrategie eingeübt. In drei unabhängigen Studien konnte gezeigt werden, dass bereits nach weniger als einer halben Stunde Übung die Anzahl der Lesefehler um fast zwei Drittel abnahm (Werth 2006; Klische 2007; Werth 2018).

Differenzierte Diagnostik mit dem celeco-Programmpaket

Mit dem Verfahren „celeco richtig lesen lernen“ werden zunächst bei jedem Kind die Ursachen der verminderten Leseleistung dadurch ermittelt, dass untersucht wird,

  • welchen Einfluss die Zeit, die ein/e Leser/in ein Wort oder Wortsegment mit den Augen fixieren muss (i. e. die Fixationszeit), auf die Entstehung von Lesefehlern hat,
  • wieviele Buchstaben innerhalb einer bestimmten Fixationszeit erkannt werden können (i. e. Fähigkeit zum Simultanerkennen, Einfluss lateraler Maskierung),
  • wie viel Zeit benötigt wird, um zu den vom Sehsystem verarbeiteten Wörtern oder Wortsegmenten die richtigen Lautfolgen aus dem Gedächtnis abzurufen und zu formulieren,
  • wie groß die Blicksprünge beim Lesen eines Textes sein dürfen, um keine Buchstaben zu übersehen,
  • welchen Einfluss der in der Peripherie des Gesichtsfeldes erscheinende Text auf die Länge der Fixationsphase und die Einleitung des Blicksprungs zum nächsten zu lesenden Wort oder Wortsegment hat,
  • in welcher Weise das Lesen sich verbessert, wenn Augenbewegungen entgegen der Leserichtung (Reversionen) verhindert werden.

Das celeco-Therapieverfahren

Auf diesen Ergebnissen aufbauend wird für jeden/jede Leser/in eine Lesestrategie entworfen, die den ermittelten Ursachen der verminderten Leseleistung ihre Wirkung nimmt, indem sie diese kompensiert. Dabei werden

  • die Größe der Wortsegmente, die eine Person innerhalb einer Fixationsphase wahrnehmen kann,
  • die dazu benötigte Länge der Fixationsphasen,
  • die Größe, der Beginn und die Richtung der Blicksprünge,  
  • die Zeit, die benötigt wird, um die zu den wahrgenommenen Wortsegmenten gehörende Lautfolgen und Bedeutungen aus dem Gedächtnis abzurufen,
  • dem/der jeweiligen Leser/Leserin angepasst.

Dies geschieht u. a. dadurch, dass in einem fortlaufenden Text von einem Computerprogramm durch eine geeignete optische Markierung angegeben wird, welche Wortsegmente zu lesen sind, wie groß die Wortsegmente sein dürfen, die das Kind versuchen soll, innerhalb einer Fixationsphase zu lesen, wohin der Blick innerhalb jedes Wortsegments zu richten ist, wie lange das jeweils zu lesende Wortsegment zu fixieren ist, wann und in welche Richtung ein Blicksprung zu erfolgen hat, wie groß der Blicksprung sein soll und wann mit dem Aussprechen des gerade zu lesenden Wortes oder Wortsegments begonnen werden darf.

Zudem kann die Neigung zu buchstabierendem Lesen durch gezielte tachystoskopische Übungen überwunden werden. Dabei wird das Simultanerkennen kurzzeitig am Monitor gebotener Wortsegmente systematisch geübt.

Auch zum Lesen benötigte Teilleistungen, wie das zunehmend schnellere Erkennen von zunehmend längeren Wortsegmenten, können durch systematische Übung mit dem celeco- Programm verbessert werden. Dazu werden z. B. Wortsegmente einer Länge, die das Erkennen der Wortsegmente gerade noch erlaubt, gezeigt und die Kinder müssen versuchen, diese zu erkennen. Mit fortschreitender Leistungsverbesserung kann die Länge der zu erkennenden Wortsegmente dann vergrößert werden, bis auch Wortsegmente der gewünschten Länge sicher erkannt werden.

Ebenso kann geübt werden, Wortsegmente zunehmend rascher zu erkennen, indem die Darbietungszeiten je nach Leistungsfortschritt jeweils soweit verkürzt werden, dass diese Wortsegmente eben noch zu erkennen sind. Bei diesen Übungen muss gewährleistet sein, dass das Kind seine Augen während des Betrachtens des zu lesenden Wortsegments auf den Fixationspunkt innerhalb des Wortes richtet und sie nicht von Buchstabe zu Buchstabe bewegt (d.h. Vermeidung von buchstabierendem Lesen). Dieses kann dadurch erreicht werden, dass das zu lesende Wortsegment so kurz gezeigt wird, dass ein Blicksprung innerhalb des Wortsegments ausgeschlossen ist.

Eine detaillierte Darstellung des Verfahrens und der psychobiologischen Grundlagen finden Sie in: Reinhard Werth:
„Legasthenie und andere Lesestörungen – wie man sie erkennt und behandelt“
Verlag C.H. Beck, München, 3. aktualisierte Auflage 2007.  Zum Buch